Heute war ich das erste Mal in meinem Leben geohashen. Beim geohashen werden die aktuellen Koordinaten, das aktuelle Datum und der aktuelle Dow Jones-Index zu neuen Koordinaten verwurstet, zu denen man sich dann begibt und Fotos macht. Der Algorithmus ist in diesem Comic beschrieben, und wer will kann sich hier seine Koordinaten ausrechnen lassen.
Einen tieferen Sinn gibt es dabei zumindest in Europa eigentlich nicht, denn der Erfinder, Randall Munroe, hatte eigentlich im Sinn, dass sich unbekannte Menschen an den Koordinaten treffen und sich kennen lernen. Das klappt aber nur wenn genug mitmachen, und das ist hier einfach nicht der Fall. Deshalb besteht meine ganze Motivation daraus, einfach mal irgendwohin zu fahren, wo ich noch nie war. Abenteuer light sozusagen. Fotos nach dem Klick.
Praktischerweise wurde ich heute schon um 8 Uhr wach, so dass auch entfernte Touren möglich gewesen wären. Also wurde schnell den Map Generator angeworfen und herausgefunden, dass es nach Wülfrath gehen sollte.

Genauer gesagt, etwas südwestlich von Wülfrath, mitten auf das Feld eines Bauern.

Wie sich herausstellen sollte, ist Wülfrath unendlich langweilig am Rande des nichts gelegen ensetzlich abgelegen malerisch. Aber der Reihe nach. Gestartet ich bin ich am meinem Heimathafen, der Bushaltestelle "Dortmund Airwin", die sich in den Lautsprecherdurchsagen immer wie "Erwin" anhört. Mein GPS-Gerät zeigte runde 40 km Luftline an.

Die Busfahrt dauerte nur ein paar Minuten, in Dortmund Oespel stieg ich aus und wartete auf die S-Bahn.

Dabei konnte ich lernen, dass ein gewisser Kiudor ein Huansoon ist.

Nur wenig später stieg ich in Essen-Steele wieder aus, und das bei einer erstaunlich niedrigen Freak-Ratio in der S-Bahn. Normalerweise steigen spätestens in Bochum Langendreer ein paar seltsame Figuren ein.

In diese Richtung Luftlinie sollte es gehen.

Ich fuhr also mit der S9 Richtung Wuppertal. Es wurde zusehends ländlicher und die Bahn immer leerer. Ich hielt es für durchaus möglich, dass ich gleich von der Weltscheibe falle. Mein Zielbahnhof Wülfrath-Aprath hatte dann aber tatsächlich Autos (!), aber sonst nicht viel anderes.


Ab hier entschied ich mich zu laufen. Es waren noch etwas weniger als 4 km und ich hatte die naive Hoffnung, dass sich schon ein relativ direkter Weg finden lassen würde. Ich konnte leider nicht einfach querfeldein laufen, also hielt ich mich erst einmal an die Straße. Fünf Minuten später stand ich mitten im Nichts. Der Weg neben der Straße war hügelig und führte überall hin, aber nicht in die Richtung, in die ich musste. Nach einer halben Stunde erblickte ich so etwas wie Zivilisation.

Als ich näher kam erblickte ich bezeichnenderweise dieses Schild.
Inzwischen waren aus den 4 Kilometern schon 5 geworden, also entschied ich mich, einfach in den nächstbesten Bus einzusteigen und mal abzuwarten was passiert. Die hügelige Landschaft machte mich fertig, aber zum Glück lehrte mich ein großer Autor, immer ein Handtuch dabei zu haben.

Der Bus brachte mich zum Rathausplatz, wo ich dringend benötigte Kalorien auftankte. So sieht das pralle Leben in Wülfrath aus:


Ab da war es aber nicht mehr weit, also machte ich mich auf, das Ziel zu erreichen. Unglücklicherweise führte der Weg dorthin über einen Privatweg.

Und hier kam ich nicht weiter, denn das Ziel lag auf dem Feld links. Rechts, wo sich das Auto andeutet, arbeitete aber gerade der Bauer und schrie dabei irgendjemanden an. Ich hatte überhaupt keine Lust, mich mit ihm anzulegen und gehäutet zu werden. Auf dem Feld wäre ich nämlich mit Sicherheit entdeckt worden. Die einzige andere Möglichkeit wäre, mich von der anderen Seite zu nähern. Unglücklicherweise hatte dieser Kollege (sowie der unter Strom gesetzte Zaun) etwas dagegen.

Ich musste also aufgeben, aber so nah kam ich wenigstens heran:

Das eigentliche Ziel ist ziemlich genau da, wo dieser Pfahl steht. Genau zwischen dem mörderischen Pferd und dem tobenden Bauern.

Also zog ich unverrichtete Dinge wieder ab. Ein moralischer Sieg zwar, aber eben doch nicht ganz. Dafür habe ich den Müll des Bauern fotografiert. Als ... ööh... Rache?

Außerdem soll es irgendwo auf dem Feld gegenüber Kartoffeln geben. Vermutlich gibt es irgendwo einen geheimen Tunnel, der zu einem unterirdischen Dungeon führt, der als Preis für die Vernichtung des bösen Herrschers einen Sack Kartoffeln bereithält.

Wie auch immer, ich tingelte mit tausenden Bussen wieder nach Hause und schreibe jetzt diesen Beitrag. Das Ganze hat durchaus Spaß gemacht, eine Widerholung ist schon fest eingeplant. Mal gucken ob ich noch jemanden bequatschen kann.
#1 - Danatar 22.11.2008 17:27 - (Antwort)
Hallo!
Wir regelmäßigen Geohasher haben zufällig diesen Artikel gefunden. Gratulation zum ersten Ausflug, gab es danach noch mehr? Unter http://wiki.xkcd.com/geohashing/2008-08-26_51_7 wartet noch ein Bericht für die Community darauf, geschrieben zu werden.
Viele Grüße, Danatar
#1.1 - Turing 22.11.2008 17:53 - (Antwort)
Hallo ihr Geohasher,
ja es gab noch mehr. Meine Zugriffsstatistiken haben mir aber gezeigt, dass meine Leser wenig Interesse daran haben. Ich fände es allerdings sehr fantastisch, wenn sich in Deutschland eine Geohashinng-Szene gründen würde, also werde ich natürlich gerne mithelfen und in den nächsten Tagen das offizielle Wiki befüllen.
Geohashing ftw!