Samstag, 4. August 2007Wie man 100 Stellen von Pi auswendig lernt. (I)Zunächst stellt sich die Frage: Warum zum Henker sollte man sich die Mühe machen und Nachkommastellen von Pi auswendig lernen? Meine persönliche Antwort darauf ist: Because I can. Wer es sinnlos findet, tut es halt nicht. Wer geekig genug ist sowas cool zu finden tut es eben. Es gibt natürlich ein paar gute Tricks, sich beliebige Dinge zu merken. Die meisten basieren allerdings auf einer einfachen Technik. Menschen können sich Bilder einfacher merken als abstrakte Wörter oder Zahlen. Je absurder das Bild ist, desto einfacher. Noch besser ist es, wenn das Bild Emotionen weckt. Dafür kann es ruhig gewalttätig, sexuell, traurig oder was auch immer sein. Man muss ja keinem erzählen was einem so im Kopf rumfleucht. Jetzt kommt es nur noch darauf an was man sich merken will, das setzt man dann irgendwie in Bilder um und merkt sich das. Gut, ein Beispiel. Dieses Beispiel überlege ich mir jetzt live, um zu sehen dass man keinen großen Aufwand braucht. Ich muss gleich noch einkaufen und merke mir jetzt die Einkaufsliste auswendig. Zunächst wäre da Bier, also stelle ich mir eine Bierflasche vor. Dann brauche ich Paprika, das verbinde ich mit dem Bier. Bier mit Paprikageschmack...Iih. Aber das ist ein gutes Bild, denn es weckt Emotionen und es ist relativ Absurd. Ich werde es sicher in ein paar Stunden noch wissen. Außerdem brauche ich Currypulver, da stelle ich mir diese kleinen Plastikdosen vor und stelle da die Bierflasche drauf. Ganz schön wackelig, aber da ist implizit eine Bewegung drin, das kann man sich auch merken. Taschentücker... Da fällt mir echt das Bier runter und alles ist vollgesaut mit Paprikabier. Da hole ich in Gedanken Taschentücher und wische den Mist auf. Und als letztes wäre da eine Packung Spaghetti. Nun gut, die feuchten Taschentücker drücke ich über dem Topf aus und koche die Spaghetti im Paprikabier. Ganz schön eklig, aber wie gesagt, das hilft. Jetzt habe ich da dieses Bild im Kopf wo alles drin ist. Das Parikabier, das auf dem Currypulver rumwackelt und schließlich umfällt. Ich hole Taschentücher und koche Spaghetti darin. Das könnte ich ewig so fortführen, je absurder desto besser. Es ist vorteilhaft sich kleine Geschichten auszudenken. Zusätzlich zu Emotionen hilft nämlich Bewegung, sowohl zeitlich als auch räumlich. Deshalb benutzt man oft einen "Weg", den jeder für sich persönlich erst festlegen muss. Man sucht sich dafür bestimmte Punkte in einer gewohnten Umgebung aus und stellt die zu merkenden Dinge auf diese Orte. Bei mir ist das: 1. Dusche Ich habe mir also ein paar markante Punkte ausgesucht, die alle auf meinem Weg zur Uni auftauchen. Wenn ich mir jetzt Dinge merken will, setze ich diese einfach in eine kleine Geschichte ein, wie ich eines morgens zu Uni gehe. Kleines Beispiel, zu merken sind jetzt Parmesankäse, Laptop, meine Tante, Rasenmäher, Michael Ballack, Rakete, Diese Worte habe ich gerade eben erdacht bzw. zufällig von irgendwelchen Newsseiten zusammengeklaubt. Also, ich muss zur Uni. Noch schnell duschen, aber aus der Dusche rieselt statt Wasser nur Parmesan. WTF? Naja, kann man nix machen, ich muss los. Ich greife meinen Laptop aus dem Spülbecken, wer hat das eigentlich da rein getan? (Egal, ist ein schön ungewöhnliches Bild.) Ich gehe in den Flur, da steht meine Tante und verlangt von mir den Rasen zu mähen. Vergiss es, ich stecke den Rasenmäher in die Mülltonne um die Diskussion zu beenden und gehe weiter Richtung Bushaltestelle. Da ist ein Loch im Boden vor meinem Haus, irgendein Spaßvogel hat ein Sammelbild von Michael Ballack rein geklebt. Weiter zur Bushaltestelle also, die aber gerade an eine Rakete gebunden gen Himmel fliegt. Verdammt, jetzt muss ich laufen... (usw) Das mit dem Ballack-Sammelbild war jetzt ein schwaches Bild, was ich nur rein genommen habe um das mal zu demonstrieren. So ein Sammelbild sieht man öfters mal und könnte im richtigen Leben ohne Probleme genau an dieser Stelle kleben. Da ist keine Emotion, keine Bewegung, nichts. Das vergisst man sehr schnell wieder, also würde ich den abgetrennten Schädel von Michael Ballack ins Lock im Boden legen. Jetzt tut nicht so schockiert, ich bin nicht aggressiv, aber sowas merkt man sich unwillkürlich. Wie man sieht, die ganze Geschichte macht keinen Sinn, und das ist das Ziel dabei. So eine blöde Geschichte vergesse ich nicht so schnell. Übrigens muss jeder seine eigenen Bilder und Wege machen, für jeden sind verschiedene Bilder unterschiedlich stark. Zum Beispiel ist ein Bit für mich eine Speichereinheit, für andere funktioniert das Bild einer Biermarke besser. Für mich würde das nicht gehen, denn wenn ich mir eine Bierflasche vorstelle, denke ich nicht an Bit sondern eher an Krombacher. Es ist sehr individuell und sobald man die Hemmschwelle überwunden hat, sich seltsame, gewalttätige, perverse, dumme Geschichten auszudenken geht das alles in sekundenschnelle. Im nächsten Teil geht es dann darum, wie man sich Zahlen merkt. Das ist einen Tick kniffliger, basiert aber auf dem gleichen Prinzip. Übrigens habe ich während des Schreibens eine längere Pause gemacht, den Teil mit dem Einkaufszettel habe ich heute morgen um 9 geschrieben und ich weiß immer noch was ich kaufen muss. Update: Hier geht es weiter. |
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#1 - Claudia 05.08.2007 17:16 - (Antwort)
Ich bin schon auf deinen nächsten Teil gespannt.
Das Prinzip mit dem Weg kannte ich schon, aber so richtig zündet bei mir diese Form der Gedächtnisstütze nicht. Dennoch finde ich es immer wieder spannend darüber zu lesen.