Montag, 6. August 2007Wie man 100 Stellen von Pi auswendig lernt. (II)Nachdem ich hier beschrieben hatte wie man sich Bilder konstruiert und merkt, wenden wir jetzt mal die gleichen Techniken auf Zahlen an. Dafür muss man zugegebenermaßen etwas mehr Aufwand treiben, denn Zaheln sind nun einmal abstrakt und lassen sich nur schwer mit Leben füllen. Deshalb stelle ich jetzt mal ein paar seltsam wirkende Regeln auf, die hoffentlich nachher etwas mehr Sinn machen. Wir wollen also eine Abbildung Zahl <-> Bild (bzw. Wort). Dabei ist es wichtig, dass auch die Umkehrung gilt. Wenn wir uns an das Bild erinnern, muss daraus die zugehörige Zahl folgen. Es gelten folgende Abbildungen, ich versuche kleine Merkregeln mitzugeben, aber im Grunde muss man die paar Sachen einfach auswendig lernen. 0 = S (Wenn man den unteren Teil des S dreht, steht da eine Null) 1 = T (Naja, mit etwas Phantasie sieht das T aus wie eine 1) 2 = N (N hat 2 vertikale Linien..) 3 = M (...M hat davon drei) 4 = R (VieR) 5 = L (L steht bei den römischen Ziffern für 50..) 6 = SCH oder CH (Sechs) 7 = K oder CK (Hier habe ich keine Merkregel) 8 = B (B und 8 sehen ja fast gleich aus) 9 = F (Auch hier habe ich keine Regel parat) Jetzt haben wir schon einmal 10 Buchstaben abgebildet und daraus lassen sich schon Worte bilden.Wenn wir uns z.B. 718281 merken wollten, würde ich das in Blöcke von je zwei Zahlen aufspalten. Der erste Block ist 71, also ein K und ein T. Daraus bilden wir ein Wort, zum Beispiel Kette. Und jetzt kommen noch zwei Regeln ins Spiel. Vokale und nicht definierte Buchstaben fallen weg, doppelte Buchstaben zählen nur einfach. Die beiden e fallen also raus, das tt zählt nur als einfaches t. Wir merken uns "Kette", und wenn wir das zurück in die Zahl rechnen wollen, wenden wir diese zwei Regeln und und wandeln einfach nach obiger Tabelle um. Der zweite Block ist 82, also ein B und ein N. Es ist nicht immer einfach ein Wort zu finden, vor allem darf man nicht den Fehler machen und hier z.B. "Besen" wählen, denn das würde für 802 stehen. Funktionieren würde dagegen Bahn (a ist ein Vokal, h ist nicht definiert) oder Bein. Ich wähle Bahn. Für 81 hätten wir B und T, hier ginge Bett. Jetzt haben wir also aus der sechstelligen Zahl drei Bilder gefunden, die wir beliebig kombinieren können. Ich würde mir eine Kette vorstellen, die über eine Bahnstrecke gespannt ist. Dann kommt der Zug angedonnert, zerstört die Kette mit einem großen Knall. Jetzt würde sich mein inneres Auge, meine imaginäre Kamera sozusagen, ins Innere des Zugs verschieben wo ein Bett steht. Wie im letzten Beitrag angesprochen muss das kein Sinn machen. Hauptsache man hat Emotionen, Bewegung, ganz allgemein Aufmerksamkeit erregende Dinge drin (Ein sich schnell bewegender Zug, eine krachende Kette, ein herrenloses Bett, das da nicht hin gehört..) Und wenn man diese drei Bilder hat, kann man das ganz einfach wieder in die ursprüngliche Zahl verwanden. Kette Bahn Bett. Ohne Vokabeln und doppelte Buchstaben steht da KTBNBT, also 718281. Und das wären die ersten sechs Nachkommastellen der Eulerschen Zahl. Wer kann, würde sich viel Arbeit ersparen und 4-zahlige Worte erfinden, ich persönlich komme mit 2er Blöcken am Besten zurecht. Das war im Grunde schon alles, jetzt muss man sich nur noch Worte aus den Nachkommastellen von Pi basteln und eine schöne Geschichte daraus bilden. Ich persönlich bin bei runden 250 Stellen, habe aber aufgehört damit. Ich wurde zugegebenermaßen leicht obsessiv ;) Als letztes Beispiel erzähle ich euch noch meine Geschichte für die ersten paar Stellen. Das soll aber ausdrücklich nicht die Basis für eure Geschichte sein. Was bei mir gut funktioniert, mag bei euch ein schwaches Bild sein. Ich stehe vor einem riesigen Tor(14), bereit auf eine laange Reise zu gehen. Das Tor geht auf, ich gehe ein paar Schritte vorwärts und klettere das dahinter liegende Tal(15) hinunter. Da hat irgendjemand eine Fahne(92) hingestellt, ich beschließe das genauer zu untersuchen. Am Fuß der Fahne steht eine Schale(65), wo gerade ein Muli(35) draus trinkt. Das trifft sich gut, denn ich habe ganz schön Hunger, schlachte also den Muli und esse sein Beef(89) und trinke danach einen Kaffee(79). So auführlich habe die die Geschichte natürlich nicht parat, ein denke nur noch die Schlagworte und addiere mir das Ambiente automatisch dazu. Hier sind die ersten 100 Stellen von Pi. Viel Erfolg ;) 14 15 92 65 35 89 79 32 38 46 26 43 38 32 79 50 28 84 19 71 69 39 93 75 10 |
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#1 - Akim 05.09.2007 23:33 - (Antwort)
Die Methode finde ich sehr interessant, allerdings zu umständlich. Das Problem ist, dass diese Vorgehensweise vielleicht für 250 Stellen reichen kann - wie du ja geschrieben hattest - allerdings wird es ab dann sicherlich sehr schwierig, da man sich schließlich auch die Bilder merken muss. Abgesehen davon dauert es meines Erachtens viel zu lange, sich eine passende Geschichte auszudenken bzw. zunächst die passenden Worte zu finden.
Wie lange brauchst du denn, um zum Beispiel die Nachkommastellen 400 bis 500 auswendig zu lernen? (ich habe bewusst diese gewählt, da du sie noch nicht kannst!) Stoppe doch mal die Zeit und prüfe, ob du alles korrekt behalten hast.
Wie lange behältst du die Bilder im Kopf? Kann man dich auch noch einen Monat oder zwei Monate später nach den Ziffern fragen?
#1.1 - Turing 12.09.2007 19:52 - (Antwort)
Sicher wird es mit der Zeit schwieriger, sich die Bilder zu merken. Bestimmte Muster wiederholen sich auch, so dass man hin und wieder ins Schleudern gerät.
Aber grundsätzlich ist die Technik dennoch problemlos anwendbar. Dass man lange braucht um sich eine Geschichte zu überlegen ist kein Kriterium, denn das muss man nur einmal machen. Wichtiger ist, dass man durch die Geschichte die Zahlen schnell und fehlerfrei wieder auf die Reihe kriegt.
Deshalb finde ich es auch unwichtig wie lange ich brauchen würde um 500 Stellen zu lernen, mal abgesehen davon dass ich, wie erwähnt, aus diversen Gründen bei 250 Stellen Schluss gemacht habe. Im Gegenteil - wenn man sich nur eine reine Zahlenkolonne merken wollte, würde man reihenweise Fehler machen. *Gerade* diese Technik ist sehr effizient um sich lange Zahlen zu merken.
Was ich allerdings sagen kann ist, dass ich für 250 Ziffern etwa zwei Tage gebraucht habe. In 50er Blöcken. Dabei brauche ich etwa eine halbe Stunde um mir 25 Wörter zu überlegen. Dann gehe ich die Geschichte 5-10 Mal durch und wiederhole sie noch ein paar Mal im Laufe des Tages.
Heute, etwa 3 Monate nachdem ich damit aufgehört habe, kann ich immer noch etwa 150-200 Stellen fehlerfrei und den Rest mit etwas Gewürge wohl auch noch.
#1.1.1 - Akim 20.09.2007 16:28 - (Antwort)
Zunächst einmal vielen Dank für deine Antwort. :-)
"Dass man lange braucht um sich eine Geschichte zu überlegen ist kein Kriterium [...]"
Meiner Meinung nach doch. Es zählt auch immer die Geschwindigkeit, da es - je nach Situation - auch um weitaus mehr Daten als nur 250 Stellen gehen könnte.
"Im Gegenteil - wenn man sich nur eine reine Zahlenkolonne merken wollte, würde man reihenweise Fehler machen."
Nein, dem muss ich widersprechen. Dadurch, dass man tatsächlich nur Zahlen bzw. deren Position anstatt einer umfangreichen Geschichte mit einer bestimmten Verschlüsselung als Grundlage einprägt, muss man auch weniger Informationen behalten bzw. kann sich auf diese konzentrieren.
Dass du nach drei Monaten immer noch 150 - 200 Stellen aufsagen kannst, ist okay, aber nicht unbedingt besser als eine Methode ohne Bilder.
Ich hatte z.B. vor ca. einem Dreivierteljahr aus Spaß und Langeweile Pi auf 300 Stellen auswendig gelernt (ohne Bilder, versteht sich), indem ich alles in Zehner- und Fünfergruppen unterteilt habe. Jetzt kann ich immer noch 100 Stellen sicher und mit etwas Glück bestimmt auch noch mehr. Zusätzlich kann man auf diese Art und Weise die Postion der einzelnen Fünfergruppen angeben und demnach beliebige Sequenzen herausgreifen. Das ginge mit deiner Methode nur sehr schlecht.
Nichtsdestotrotz hängt es auch immer davon ab, was einem mehr liegt; hat man ein gutes Zahlengedächtnis (wahrscheinlich als visueller Typ), benötigt man keine fiktive Geschichte. Als jemand mit einer besseren Fähigkeit, sich Handlungen zu merken, ist deine Methode jedoch die bessere. ;-)
MfG,
Akim
#1.1.1.1 - Turing 21.09.2007 09:01 - (Antwort)
>Meiner Meinung nach doch. Es zählt auch immer die
>Geschwindigkeit, da es - je nach Situation - auch um weitaus
>mehr Daten als nur 250 Stellen gehen könnte.
Naja klar, wenn man sich in bestimmten Situationen schnell andere Nummern merken muss, dann ist mein System natürlich nicht besonders effizient. Für Pi bin ich allerdings nach wie vor überzeugt, dass Geschwindigkeit beim Merken nicht besonders wichtig ist.
Aber abgesehen davon, wenn man erstmal für >=75 Zahlen ein Bild im Kopf hat, kann man sich damit auch andere Zahlen relativ schnell merken. Das funktioniert irgendwann einfach, wenn ich 15 sehe, denke ich "Tal", bei 44 "Rohr" usw. Da bekomme ich unter Umständen in Sekunden eine Geschichte zusammen.
>Ich hatte z.B. vor ca. einem Dreivierteljahr aus Spaß und
>Langeweile Pi auf 300 Stellen auswendig gelernt (ohne Bilder,
>versteht sich), indem ich alles in Zehner- und Fünfergruppen
>unterteilt habe.
Das finde ich ehrlich gesagt beeindruckend. Ich bin natürlich naiverweise genau so angefangen, aber schon nach 50 Stellen wurde es schwieriger die einzelnen Blöcke auseinander zu halten und nach 100 Stellen habe ich dann abgebrochen, weil ich nur noch durcheinander kam.
>Zusätzlich kann man auf diese Art und Weise die Postion der
>einzelnen Fünfergruppen angeben und demnach beliebige
>Sequenzen herausgreifen. Das ginge mit deiner Methode nur
>sehr schlecht.
Das geht (begrenzt) schon. Man lernt ja auch die Bilder in gewissen Blöcken. Da weiß man einfach wo ein Block anfängt und aufhört. Zum Beispiel wüsste ich, dass der zweite 50er Block mit einem Zug aufhört. Der Kontext, in dem der Zug steht, ist mir natürlich auch bekannt, deshalb kann ich die Geschichte von da aus weiter spinnen und komme deshalb auch auf beliebige Sequenzen, wenn ich will. Ausgehen muss ich dabei aber immer bei den "Meilensteinen" der Geschichte, d.h. den Grenzen der Blöcke.
Dass unsere beiden Systeme beide funktionieren, da sind wir uns sicher einig. Bleibt die Frage, welches System einfacher ist. Ich behaupte nach wie vor, dass stumpfes Auswendig lernen die allermeisten Menschen sehr schnell an ihre Grenzen bringt. Ich glaube, zu deinem System wären nur sehr wenige Menschen überhaupt *fähig*, ganz abgesehen davon dass ich einfach nicht glauben kann, dass es mit zunehmender Stellenzahl nicht unübersichtlich und verwirrend wird. Und drittens würde ich auch noch behaupten (als einer, der beides ausprobiert hat), dass mein System mit etwas Training nur sehr wenig Overhead produziert, so wenig dass selbst du es auf Dauer vielleicht besser finden würdest. :)
Übrigens, vielen Dank für deinen Beitrag. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass sich jemand Pi ohne irgendwelche Tricks merkt.
#2 - Mariel Dragon 24.09.2007 13:55 - (Antwort)
Ich merke mir auch pi über ein im Internet verbreitetes PI-Lied (http://john.jolly.name/~jjolly/pi.mp3) bin so innerhalb von 10 Minuten auf sichere 30 Nachkommastellen gekommen, nach insgesamt 20 Minuten Arbeit an zwei Tagen bin ich nun bie den ersten 62.
#3 - Akim 28.09.2007 22:51 - (Antwort)
Das mit dem Lied finde ich ganz interessant. Allerdings ist diese Methode etwas ineffizient, wie dein Beispiel zeigt, und endet bei vielleicht ca. 200 Stellen. So oder so bleibt es, wie bereits erwähnt, eine Frage des persönlichen Talents; der eine kann es besser so, der andere so. ;-)
Das Gedicht "Near a Raven" von Poe ermöglicht übrigens das Auswendiglernen von 740 Stellen, sofern man sich alle Verse einprägen kann. Hier ein Link:
http://users.aol.com/s6sj7gt/mikerav.htm
Folgender Vorschlag, Turing:
Um meine Methode tatsächlich aussagekräfitg überprüfen zu können, werde ich mich - hoffentlich kann ich mich dazu durchringen - noch einmal an Pi setzen und bis zu meiner persönlichen Grenze lernen.
Meine Methode (nur, um es noch einmal zu erläutern) funktioniert so, dass ich die Nachkommastellen von Pi in Zehnergruppen unterteile und mir dann die Verknüpfung der darin enthaltenen Fünfergruppen merke. Mal schauen, wie weit ich komme. :-)
Vielen Dank auch für deine Anregung; mir wurde erst dadurch klar, dass es durchaus sehr viele Lerntechniken in Bezug auf Zahlen geben kann.
MfG,
Akim
#3.1 - Turing 28.09.2007 23:48 - (Antwort)
Uff, du willst Pi bis an deine persönliche Schmerzgrenze lernen, nur um mein unreflektiertes Geschwafel zu überprüfen? ;)
Spaß beiseite, interessant fände ich es schon. Ich kann ja schon 300 Stellen nur unglaublich finden, weil ich, wie gesagt, bei runden 100 Stellen durcheinander gekommen bin. Aber bitte mach dir nicht unnötig viel Arbeit wegen mir, da würde ich mich schlecht fühlen :)
Aber vielleicht willst du ja einen Gastbeitrag schreiben, um dein System mal genauer zu erklären?
#4 - ???? 29.09.2007 16:01 - (Antwort)
Was muss man rechnen um pi zu erhalten, z.B. 3:1 oder so.
Was muss da stehen um pii zu erhalten???
#4.1 - Turing 29.09.2007 17:12 - (Antwort)
Da Pi irrational ist, gibt es natürlich keine "fertige" Formel, nur annähernde Formeln. So einfach wie 3:1 sind sie leider nicht, aber die gängigsten kann man bei WP nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Kreiszahl#Moderne_N.C3.A4herungsrechnung_und_Bestimmung
#5 - electrobabe 15.03.2008 14:57 - (Antwort)
hier habe ich eine wirklich einfache methode sich die ersten 15 stellen von pi zu merken:
http://electrobabe.at/2008/03/13/wie-merkt-man-sich-pi/
#6 - unischreck 29.01.2009 19:58 - (Antwort)
die methode ist an sich zwar ganz lustig hilft einer klausur oder in der arbeit nicht weiter da es einfach zu lange dauert was ich unlogisch finde ist das 9 zu F wird
logisch wäre ein P
wenn man die 9 an einer vertikalen achse spiegelt und sich den unteren bogen wegdenkt sicht es megr aus wie P als wie F
rein theoretisch müsste die methode aber auch mit anderen buchstagen für die jeweilige zahl funktionieren man muss sie sich nur merken
was ich besonder bemerkenswert finde ist allein die idee zahlen mit buchstaben zu identifizieren um daraus eine gaschichte zu bilden die einem beim lernen hift
RESPEKT!!!!!!!
#6.1 - Turing 29.01.2009 20:08 - (Antwort)
Klar, andere Menschen haben andere Assoziationen und können sich andere Dinge besser merken. Darauf kommt es aber auch gar nicht an, wenn man die Methode verinnerlicht hat, denkt man gar nicht mehr darüber nach, was ein "F" bedeutet. Das geht ganz automatisch und jeder hat da seine Eigenheiten, kein Problem.
Übrigens habe ich die Methode auch noch nie in Klausuren verwendet. Leider geht es in den Naturwissenschaften nur selten darum, Dinge auswendig zu lernen. Normalerweise muss man den Stoff meistern, wissen *warum* es so funktioniert. da hilft mein System überhaupt nicht :)